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Hypertonie
- Bluthochdruck
Ein Viertel der Österreicher leidet an Bluthochdruck. Aber nur die
Hälfte weiß es auch! Geänderte Lebensumstände mit
erhöhtem Stress, Bewegungsmangel, Zunahme von Übergewicht sowie
erhöhtem Kochsalz- und Alkoholkonsum begünstigen die weite Verbreitung
von hohen Blutdruckwerten.
Das besonders Tückische an der Hypertonie ist die Tatsache, daß
viele Menschen keinerlei Beschwerden haben, die im direkten Zusammenhang
mit ihrem Hochdruck stehen. Deshalb werden hohe Blutdruckwerte von vielen
Betroffenen immer noch verharmlost. Heute weiß man aber, daß
Hypertonie und Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenversagen und Schlaganfall
direkt miteinander korrelieren.
Hypertonie als Volkskrankheit
Der
Bluthochdruck gehört in den westlichen Industrieländern zu den
häufigsten Krankheiten. Die Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung
wird auf ca. 12% geschätzt, für die Altersgruppe über 45
Jahre wird ein Prozentsatz von 25 angenommen.
Das
Herz ist eine Pumpe, die die Aufgabe hat, das Blut durch die Arterien
in alle Teile des Körpers zu transportieren. Zieht sich der Herzmuskel
zusammen, wird das Blut unter hohem Druck ausgestoßen. Der in diesem
Moment gemessene Blutdruck ist der "systolische Blutdruck",
also der hohe Wert. Nachdem das Blut ausgeworfen wurde, entspannt sich
das Herz, um sich mit neuem Blut zu füllen. In dieser Phase ist der
Blutdruck in den Arterien niedriger, man spricht vom "diastolischen
Wert". Dieser Wert in der Entspannungsphase ist naturgemäß
wesentlich niedriger.
Unsere Arterien stehen also ständig unter Druck. Natürlich ist
der Blutdruck laufenden Schwankungen unterworfen und kann durch psychische
oder physische Belastungen wie Stress, körperliche Betätigung
aber auch Tageszeit und aktuelle Verfassung variieren. Ein einmalig erhöhter
Blutdruckwert sollte daher besser kontrolliert werden, bevor daraus eine
chronische Erkrankung gemacht wird.
Ist der Druck in den Arterien jedoch ständig erhöht, spricht
man vom Bluthochdruck. Und das ist eindeutig eine Krankheit.
Neue Richtwerte
Lange
Zeit galten arterielle Blutdruckwerte bis 160/90 mm Hg als normal, beim
höheren systolischen Druck wurde sogar "100 + Lebensalter"
als obere Normgrenze angegeben. Diese Grenzwerte sind aber nach neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnissen viel zu hoch und gehören bereits
behandelt. Die arterielle Hypertonie beginnt heute laut aktuellen Richtlinien
bei 140/90 mm Hg und das unabhängig vom Alter des Patienten.
Klassifizierung der Hypertonie
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Bei Kindern bis zu 14 Jahren sind die Grenzwerte abhängig vom Alter
in Korrelation zur Körpergröße (z. B. bei einer Größe
von 80 cm: Blutdruck-Normalwert 115/70 mmHg; bei 180 cm: 140/80 mmHg).
Ab 14 Jahre gelten die Werte für Erwachsene.
Grundsätzlich sollte man sich bei Verdacht auf arterielle Hypertonie
nicht auf Einzelmessungen beschränken, sondern ein 24-Stunden-Blutdruck-Monitoring
durchführen. Besonders wertvoll sind auch Blutdruckselbstmessungen
von den Betroffenen. Dafür stehen heute einfach anwendbare, qualitativ
hochwertige und auch relativ preisgünstige Blutdruck-Messgeräte
zur Verfügung.
Entstehung
Bei
80-90% aller Hochdruckpatienten konnte die Ursache ihrer Erkrankung bis
heute nicht hinreichend geklärt werden. Vererbung und genetische
Faktoren spielen dabei sicherlich eine große Rolle. Als gesichert
gilt aber, daß eine enge Beziehung zu verschiedenen Ernährungsfaktoren
besteht. Bluthochdruck kann durch Übergewicht, Bewegungsmangel, gesteigerte
Salzempfindlichkeit, Stress sowie erhöhten Kochsalz- und Alkoholkonsum
begünstigt werden. Eine genetische Prädisposition muß
nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Erkrankung führen. Durch
falschen Lebensstil wird die Entwicklung der Hypertonie aber stark gefördert.
Bei den restlichen 10-20% tritt der hohe Blutdruck infolge von anderen
Erkrankungen unseres Körpers auf: Dies sind einerseits Nierenerkrankungen
wie chronische Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Nierentumore.
Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Stoffwechsel- Erkrankungen
mit erhöhter Hormonproduktion, z. B. Schilddrüsenüberfunktionen,
die den Blutdruck negativ beeinflussen.
Daher ist in jedem Falle von erhöhtem Blutdruck eine genaue Abklärung
angezeigt, damit bedrohliche Ursachen nicht übersehen werden.
Hoher Blutdruck macht krank
Das
Beschwerdebild der Patienten mit Hypertonie ist im allgemeinen gering
und derart uncharakteristisch, daß die Erkrankung oft einen Zufallsbefund
bei einer aus anderen Gründen vorgenommenen Untersuchung darstellt.
Oder die Hypertonie wird erst beim Auftreten von Komplikationen erkannt.
Die
häufigsten von Patienten vorgebrachten Beschwerden sind:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Ohrensausen
- Herzklopfen
- Nervosität
- Nasenbluten
- Sehstörungen
- Schmerzen im Brustbereich
- Atemnot und Kurzatmigkeit bei Belastung
Komplikationen
Unbehandelt oder unzureichend behandelt führen erhöhte Blutdruckwerte
unabhängig von ihrer Ursache zu einer Reihe von Folgeerkrankungen,
die vor allem das Gefäßsystem betreffen. Für die Ausbildung
der Komplikationen sind Dauer und Schweregrad der Blutdrucksteigerung
von ausschlaggebender Bedeutung. Beide Blutdruckwerte, der obere = systolischer
Blutdruck wie auch der untere = diastolischer Blutdruck sind gleichrangige
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Arteriosklerose, die den
Gefäßprozessen zugrunde liegt.
Bluthochdruck als tödliches Risiko
Da viele der Folgeerkrankungen lebensbedrohlich sind, sollten erhöhte
Blutdruckwerte immer ernst genommen werden. Folgender Überblick soll
die schwerwiegende Bedeutung unterstreichen. Folgeerkrankungen sind:
- Durchblutungsstörungen
des Herzens wie Angina pectoris bis hin zum Herzinfarkt
- Herzschwäche
bis hin zum Herzversagen
- Schlaganfälle
- Augenhintergrundveränderungen,
die bis zur Erblindung führen können
-
Nierenveränderungen bis hin zum Nierenversagen
- Durchblutungsstörungen
der Beine
Die
Diagnose Bluthochdruck bietet Ihnen aber gleichzeitig die Chance, mit
einem gesünderen Lebensstil zu beginnen. Nützen Sie daher auch
diese Möglichkeit, um auf Dauer etwas für sich und Ihr Wohlbefinden
und Ihre Gesundheit zu tun.
Genaue Abklärung entscheidend
Die Blutdruckmessung stellt natürlich die Basis für die Diagnosestellung
dar. Man achte jedoch darauf, daß Blutdruckwerte in der Arztordination
oft wesentlich höher als zu Hause sind. Deshalb müssen immer
mehrere Messungen durchgeführt werden. Wünschenswert ist eine
Selbstkontrolle des Patienten von ca. 20-30 Selbstmessungen zu Hause.
Idealerweise sollte eine 24-Stunden-Blutdruckmessung
durchgeführt werden. Dabei erhält der Patient eine Blutdruckmanschette
für 24 Stunden am Oberarm angelegt, die sich in bestimmten Intervallen
automatisch aufbläst und mißt. Dieses auch als ambulantes Blutdruck-Monitoring
bezeichnete System gibt einen exzellenten Überblick über den
Schweregrad einer Hypertonie. Zusätzlich kann das für therapeutische
Belange wichtige nächtliche Blutdruckverhalten erforscht werden.
Denn normalerweise sollte es in der Nacht zu einer Blutdrucksenkung von
mindestens 10% gegenüber den Tageswerten kommen.
Da das Herz Verursacher, aber auch Zielorgan von hohem Blutdruck ist,
sollte stets ein
Ruhe-EKG durchgeführt werden.
Damit können grobe Veränderungen erfaßt werden. Doch das
alleine reicht meist nicht aus.
Zur Erfassung des Blutdrucks unter Belastung wird bei jedem Hypertoniker
die Durchführung eines Belastungs-EKG's
(Ergometrie) empfohlen. Mit dieser Untersuchung können
gleichzeitig schon bestehende Durchblutungsstörungen am Herzen ausgeschlossen
werden. Da eine Veränderung des Lebensstils mit gezieltem körperlichen
Ausdauertraining bei jedem Hypertoniker angebracht ist, ist die Durchführung
einer Ergometrie eigentlich als obligat zu betrachten.
Auch eine Blut-und Harnanalyse gehört
bei der Hypertonie zum Basisprogramm. Die Bestimmung der Nierenwerte,
Harnsäure, Cholesterin und Blutfette, Blutzucker, Blutbild sowie
Harnanalyse auf Eiweiß sind dazu zu zählen. Bei einer Erstabklärung
müssen auch stets Schilddrüsenwerte sowie Hormonspiegel im Blut
und Harn mitbestimmt werden.
Die Durchführung weiterer Untersuchungen wie Herzultraschall, Beurteilung
des Augenhintergrundes oder Ultraschall der Nieren wird von Ihrem Arzt
je nach Notwendigkeit verordnet.
Die Therapie
Hoher Blutdruck muß unbedingt behandelt werden um schwere, spätere
Gesundheitsschäden zu verhindern. Herzinfarkt, Nierenversagen aber
besonders auch ein Schlaganfall sind die häufigsten Folgen des Hochdrucks.
So weit darf es aber gar nicht kommen.
Fest steht, daß jede Hypertonie behandlungsbedürftig ist. Ziel
der Behandlung ist die Senkung der diastolischen Werte auf weniger als
90 mmHg und des systolischen auf weniger als 140 mmHg.
Die Basis bei jeder Blutdrucktherapie ist eine Lebensstilmodifikation
mit Ernährungsumstellung und Bewegungsprogramm. In vielen Fällen
kann durch diese Maßnahmen der Blutdruck in den Normalbereich gesenkt
werden und der Patient erspart sich die regelmäßige Einnahme
von Medikamenten. Gleichzeitig werden die Risikofaktoren, die zur Entstehung
des Hochdrucks beigetragen haben, eliminiert. Also zwei Fliegen auf einen
Schlag.
Ernährungsempfehlungen:
- Übergewicht
normalisieren: Bei vorliegendem Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme
von wenigstens 5-10 kg unbedingt ratsam.
- Kochsalzzufuhr
einschränken: Den Salzkonsum auf maximal 6 g/Tag beschränken,
das heißt auf kochsalzreiche Speisen und Lebensmittel zu verzichten.
Dazu gehören Konserven und Fertiggerichte, geräuchertes Fleisch
und Fisch sowie Salzgebäck. Verzichten Sie stets auf ein Nachsalzen
Ihrer Speisen. Verwenden Sie vorrangig Gewürze und Kräuter
zur Geschmacksverstärkung. Achten Sie auch auf den Kochsalzgehalt
von Mineralwasser. Günstig sind Mineralwässer mit weniger
als 20 mg Natrium pro Liter.
Nachdem in fast allen Speisen (z. B. Brot, Käse) reichlich Salz
enthalten ist, kann man die Verwendung von Salz ruhig großzügig
reduzieren.
- Zurückhaltung
bei Alkohol: Alkohol kann zu direkter Erhöhung des Blutdruckes
beitragen.
- Viel
Fisch, wenig Fleisch: Da die Eiweißzufuhr grundsätzlich zu
hoch ist und dies die Nieren schädigen kann, ist es günstig
nicht öfters als zweimal pro Woche Fleisch und Fleischwaren einzuplanen.
Dafür werden vermehrt Seefischmahlzeiten empfohlen. Besonders Makrele,
Hering und Lachs sind günstig, da sie reichlich Omega-3-Fettsäuren
enthalten, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern.
- Verzehr
von Fetten beschränken: Fett hat den höchsten Energiegehalt,
aber leider die schwächste Sättigungswirkung. Fett scheint
daher ein wesentlicher ursächlicher Nahrungsfaktor für Übergewicht,
hohes Cholesterin und Arterienverkalkung zu sein.
- Die
Gesamtfettzufuhr sollte auf 30% der täglichen Energiezufuhr vermindert
werden. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Margarine.
- Vermeiden
Sie fettes Fleisch und fette Wurstwaren sowie fette Milchprodukte. Leichtmilch,
Magerjoghurt, Buttermilch, fettreduzierter Käse sowie mageres Fleisch
und Schinken sind dagegen hochwertige Nahrungsmittel und auch für
Hypertoniker hervorragend geeignet.
- Kaliumzufuhr
erhöhen: Durch reichlichen Verzehr von Gemüse, Rohkost und
Obst.
- Ballaststoffaufnahme
erhöhen: Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte,
Gemüse und Obstsorten wie Äpfel, Birnen und Beerenobst enthalten
einen hohen Anteil von Ballaststoffen. Diese Lebensmittel haben einen
äußerst positiven Einfluß auf unser Stoffwechselprofil,
unser Körpergewicht und unsere Blutgefäße.
- Nikotin
meiden: Rauchen begünstigt die allgemeine Gefäßverkalkung
und gilt als Ko-risikofaktor für diverse Folgeerkrankungen wie
Herzinfarkt und Schlaganfall.
Eine
Ernährungsumstellung ist bei jedem Schweregrad von Hypertonie eine
äußerst sinnvolle Maßnahme. Bei milden Formen von Hypertonie
kann durch ausreichende Bewegung und richtige Ernährung der Blutdruck
oft ohne Verabreichen von Medikamenten normalisiert werden. Aber selbst
bei schweren Hypertonieformen können vielfach die Dosen von blutdrucksenkenden
Medikamenten und die daraus resultierenden möglichen Nebenwirkungen
verringert werden.
Bewegungstherapie
Regelmäßige
körperliche Aktivität hat einen hohen Stellenwert bei jeder
Blutdrucktherapie. Regelmäßiges Ausdauertraining kann den Blutdruck
so weit senken, daß man bei milder Hypertonie auf Medikamente oft
ganz verzichten kann. Neben der blutdrucksenkenden Wirkung werden durch
ein regelmäßiges Training zudem noch Stoffwechsel, Körpergewicht,
Herzfrequenz und Organdurchblutung äußerst günstig beeinflußt.
Bevor man jedoch mit Sport beginnt, muß sich der Arzt über
Trainingszustand und Blutdrucksituation bei Belastung mittels eines Belastungs-EKG-Tests
einen Überblick verschaffen. Danach erhält der Patient ein individuell
zugeschnittenes Trainingsprogramm, welches am besten mit einem Pulsmesser
kontrolliert wird.
Ausdauersportarten wie Laufen, Joggen, Radfahren, Skaten, Langlaufen und
Schwimmen werden bei Hochdruck-Patienten besonders empfohlen. Um einen
positiven Effekt auf Blutdruck und Stoffwechsel zu erzielen, sollte das
Training mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten durchgeführt
werden. Der optimale Pulsbereich kann individuell stark schwanken und
von vielen Faktoren wie Trainingszustand und der gleichzeitigen Einnahme
von Medikamenten verändert werden. Deshalb ist das Bestimmen der
richtigen Herzfrequenz besonders wichtig. Grundsätzlich gilt aber,
daß mit niedrigem Puls, dafür aber länger trainiert werden
soll.
Vor falsch verstandenem Ehrgeiz muß gewarnt werden. Wer sich nach
langer Pause kurzfristig zu körperlichen Höchstleistungen aufraffen
möchte, schadet der Gesundheit mehr, als er ihr nützen kann.
Weiters sei auf Belastungen mit hohem Kraftanteil hingewiesen, da es zu
außergewöhnlich hohen Blutdruckanstiegen kommen kann. Extremsportarten
und Krafttraining sind damit für Hypertoniker nicht geeignet.
Wie jede Therapiemaßnahme sollte auch der blutdruckregulierende
Effekt eines dynamischen Ausdauertrainings nach Wochen mittels Ergometrie
überprüft werden. Zusätzlich sollte jeder Hypertoniker
ein Blutdruckprotokoll zu Hause führen, in welches die selbstkontrollierten
Werte eingetragen werden. Diese Aufzeichnungen sind dem behandelnden Arzt
bezüglich des weiteren Therapievorgehens äußerst hilfreich.
Medikamentöse Therapie
In
einigen Fällen können trotz Optimalen Bewegungsprogramm und
Ernährungsumstellung keine zufriedenstellende Blutdruckwerte erzielt
werden. Dann ist eine medikamentöse Therapie angezeigt, wobei heutzutage
eine Fülle von wirksamen und gut verträglichen Substanzen zur
Verfügung stehen. Welches Medikament speziell bei Ihnen zum Einsatz
kommt, ergibt sich einerseits aus der Schwere der Hypertonie, andererseits
aus gleichzeitig bestehenden weiteren Risikofaktoren und Krankheiten.
Eine medikamentöse Therapie gehört stets in die Hand eines Spezialisten.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient ist dabei unerlässlich.
Ziel
ist es die Blutdruckwerte 24 Stunden am Tag in den Normbereich zurückzuführen.
Gut eingestellt ist der Patient immer nur dann, wenn sein Blutdruck zumindest
unter 140/90mmHg liegt.
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